Heimkino: Sonos Arc im Test: Top-Soundbar mit einem großen Haken

Sonos bringt mit der Arc eine neue Soundbar in den Handel. Sie kostet 900 Euro und lockt mit Kino-Sound im Wohnzimmer. Doch unser Test zeigt: Viele Nutzer werden den Premium-Ton gar nicht hören können.

Zeitloses Design und unkomplizierte Bedienung – das ist die Erfolgsformel des US-Herstellers Sonos. Das Unternehmen wurde bekannt mit seinen Multiroom-Lautsprechern, seit einigen Jahren versucht es jedoch verstärkt in den Wohnzimmern seiner Kunden Fuß zu fassen. Kein Wunder: Fernseher werden immer flacher, dementsprechend auch der Ton. Das wiederum heizt die Nachfrage nach sogenannten Soundbars an, die dem Heimkino mehr Wumms verleihen sollen.

Die erste Sonos-Soundbar (Playbar) kam im Jahr 2013 auf den Markt. Sie überzeugte mit gutem Ton, jedoch mangelte es ihr an Anschlüssen. Ein Makel, den Sonos vor zwei Jahren mit der 389 Euro teuren Alexa-Soundbar Beam (hier unser Test) ausmerzte, die aufgrund ihres kompakten Formfaktors jedoch sehr schwachbrüstig war. Kino-Feeling stellte sich hier nicht ein.

Mit der neuen Arc, welche die alte Playbar und die noch nicht ganz so alte Playbase ersetzt, will Sonos nun auch anspruchsvolle Hifi-Fans begeistern. Der Hersteller wirbt mit „echtem Kino-Sound“, der dank Dolby-Atmos-Unterstützung „unglaublich realistisch“ sei. Mit 900 Euro ist sie jedoch alles andere als ein Schnäppchen. Was Sie über die Sonos Arc wissen sollten und wie sie klingt verrät dieser Test.   

Sonos Arc: Es wird wuchtig

Die Unterschiede zur Beam zeigen sich nicht nur beim doppelt so hohen Preis, sondern auch bei den Maßen: Mit einer Länge von 1,14 Meter sollte die Arc unter Fernsehern ab 49 Zoll und größer thronen, um nicht deplatziert zu wirken. Zum Vergleich: die Sonos Playbase misst in der Breite gerade einmal 90 Zentimeter, die Beam ist mit 65 Zentimetern gar nur halb so groß.

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Das Design ist wie immer bei Sonos schnörkellos: Das zylindrische Gehäuse wirkt unaufgeregt klassisch und kommt in zwei Farben daher – Schwarz und Weiß. Auf der Oberseite befinden sich berührungssensitive Tasten, mit der man die Wiedergabe stoppen, die Lautstarke anpassen oder das Mikrofon an- und ausschalten kann. Letzteres wird für die eingebauten Sprachassistenten Alexa und Google Assistant benötigt. Die können praktisch sein, aber auch nerven – heißt eine Filmfigur „Alex“, sind Fehlalarme vorprogrammiert.

Sonos Arc mit HDMI-Buchse

Die größte Neuerung der Sonos Arc im Bezug zu ihrem Vorgänger verrät sie bereits im Namen: Die Abkürzung „ARC“ steht im Hifi-Segment für „Audio Return Channel“, auf deutsch Audio-Rückkanal. Der Ton kann also über das HDMI-Kabel direkt wieder zurück zum Sender geschickt werden. Dadurch kann man den Ton auch mit der normalen Fernbedienung regulieren, außerdem aktiviert sich die Soundbar automatisch, sobald der Fernseher an- oder ausgeschaltet wird.PAID STERN 2020_21 Kulturtipps der Woche 19.03 Uhr

Zunächst haben wir die Soundbar auf sich allein gestellt getestet. Der Sound ist klar und gut balanciert, angesichts der überschaubaren Maße sind die Bässe druckvoll. Ein Räumlichkeits-Effekt stellt sich jedoch trotz des breiten Klangteppichs nicht ein. Wer zwei Sonos One besitzt, kann diese zu Rücklautsprechern umfunktionieren, wodurch man in Filmen Surround-Sound erhält. Die Integration in ein bereits bestehendes Sonos-System ist kinderleicht.

Der Haken mit Dolby Atmos

Das Aushängeschild der Arc ist die Dolby-Atmos-Unterstützung. Dabei handelt es sich um einen Tonstandard, bei dem Sound nicht nur in Breite und Tiefe wiedergegeben wird, sondern auch in der Höhe. Sprich: Regen prasselt von oben, ein Helikopter scheint über dem eigenen Kopf zu schweben. „So wird jedes Flüstern und jede Explosion mit eindrucksvoller Detailtreue und Tiefe wiedergegeben“, heißt es auf der Webseite des Herstellers. Um den räumlichen Eindruck zu verstärken, wurden einige Schallwandler im Inneren der Arc zu den Seiten, nach vorne und nach oben hin ausgerichtet. Zwei von insgesamt drei Kalottenhochtönern sind dabei angewinkelt.

Noch vor ein paar Jahren war Dolby Atmos exklusiv Kinos vorbehalten, mittlerweile wird sie von Soundbars zahlreicher Hersteller unterstützt – und nun auch Sonos. Das wurde Zeit, schließlich ist der 3D-Ton längst im Mainstream angekommen. Beinahe jeder Blockbuster wird mit Atmos-Tonspur angeboten, aufwendig produzierte Serien auf Netflix oder Apple TV+ locken ebenfalls mit Rundum-Sound.

Der große Haken: Die meisten Nutzer werden Dolby Atmos mit der Sonos Arc zunächst nicht zu hören bekommen. Denn weil die Soundbar lediglich einen einzelnen HDMI-Eingang besitzt, muss der Ton des Zuspielgerätes – egal ob Playstation 4, Fire TV Cube oder Apple TV 4K – durch den Fernseher zur Soundbar geschleift werden. Viele TV-Modelle und auch Beamer unterstützen jedoch kein Dolby Atmos, meist ist bei Dolby Digital Schluss. Selbst Spitzenmodelle, die vor drei Jahren noch mehr als 2000 Euro gekostet haben – in unserem Test ist dies ein Samsung KS8090 – unterstützen den 3D-Ton nicht.Dolby Atmos_15.15

Sonos hätte dieses Problem mit einer zusätzlichen HDMI-Buchse umgehen können, wie es bei vielen Mitbewerbern Standard ist. Dann wird der Ton nicht durch den Fernseher geschleift, sondern direkt in die Soundbar eingespeist. Die Sennheiser Ambeo – derzeit die Benchmark unter den Soundbars – bietet sogar drei HDMI-Eingänge und einen Ausgang. Natürlich wäre die Inbetriebnahme dadurch etwas komplexer geworden. Doch was nützt die einfachste Handhabung, wenn man das volle Potenzial nur mit bestimmten Fernsehern entfalten kann. Immerhin: In ein paar Jahren dürfte sich das Problem weitgehend erledigt haben, wenn immer mehr TV-Modelle den 3D-Sound nativ unterstützen.

Je neuer der Fernseher, desto besser

Welche Fernseher den Atmos-Standard unterstützen und welche nicht, kann man pauschal nicht sagen. Aufgrund der Vielfalt an TV-Geräten gibt es seitens Sonos‘ auch keine offizielle Liste an unterstützten Geräten. Als Faustregel lässt sich sagen: Top-Modelle der vergangenen zwei Jahre sind höchstwahrscheinlich Atmos-fähig. Je älter der Fernseher, desto unwahrscheinlicher wird es. LG-Fernseher sind in dieser Hinsicht erfahrungsgemäß besser aufgestellt als etwa Modelle von Samsung. Wer vorhat, einen neuen Fernseher zu kaufen, sollte sich im Fachgeschäft beraten lassen und im Produktdatenblatt auf den eARC-Standard achten.

Schade: Multichannel LPCM (sorgt für 5.1 bei der Nintendo Switch) und das hochauflösende Tonformat DTS, das auf vielen Blu-Rays angeboten wird, unterstützt Sonos Arc ebenfalls nicht. Wer DTS-codierte Audioinhalte wiedergeben möchten, muss DTS mit Hilfe des Abspielgeräts in Dolby Digital umcodieren, sofern diese Funktion unterstützt wird.

Diese Audio-Formate werden von der Arc unterstützt:

  • Dolby Atmos
  • TrueHD (für externe Blu-ray Player)
  • Dolby Digital Plus
  • Dolby Digital

Mächtige Software

Drei Funktionen haben uns bei der Arc weiterhin überzeugt: 

  1. Die Sonos Arc unterstützt Apples Funkstandard AirPlay 2. Damit kann man von iPhone oder iPad mit einem Fingertipp die Musik direkt auf dem Speaker wiedergeben. Auf diese Weise kann man sogar Lautsprecher verschiedener Hersteller miteinander koppeln: In unserem Test klappt die synchrone Wiedergabe auf Apples HomePod und Sonos-Lautsprechern, die Lautstärke konnte auf jedem einzeln angepasst werden.
  2. Mit TruePlay bietet die Arc eine simple akustische Einmessung, mit der Wiedergabequalität an die räumlichen Gegebenheiten angepasst werden. Man startet die App, läuft durch das Zimmer, während das integrierte Mikrofon erkennt, wie ein Schall durch Wände, Möbel und den Boden beeinflusst wird. Die App nimmt anschließend automatisch die Feinjustierung vor. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man ein iPhone oder iPad besitzt. Android-Geräte werden aktuell nicht unterstützt.
  3. In der App gibt es zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Bass und Treble können in Equalizern an die eigenen Vorlieben angepasst werden, die Lautstärke der Rücklautsprecher lässt sich unabhängig von der Soundbar konfigurieren, außerdem kann die Ton-Verzögerung angepasst werden (wichtig für Lippensynchronisierung).

Fazit: Toller Nachfolger mit einer Konzept-Schwäche

Die Sonos Arc ist ein würdiger Nachfolger der mittlerweile sieben Jahre alten Playbar. Das Design ist eleganter, der Klang voller und brillanter. Die Soundbar lässt sich über die App kinderleicht mit weiteren Lautsprechern zu einem vollwertigen Surround-System koppeln und unterstützt zahlreiche Streamingdienste. Und endlich gibt es eine HDMI-Buchse. Das ist jedoch zugleich die Schwachstelle – es gibt nur eine. Wer einen alten Fernseher besitzt, kommt deshalb sehr wahrscheinlich nicht in den Genuss des 3D-Sounds Dolby Atmos. Dabei wäre das mit einem anderen Anschlusskonzept vermeidbar gewesen.

Die Sonos Arc eignet sich daher für all jene, die entweder a.) bereits viele Sonos-Lautsprecher besitzen, jedoch noch keine Soundbar des kalifornischen Herstellers oder b.) einen neuen Fernseher besitzen oder zeitnah einen erwerben wollen und gerne Dolby Atmos in den eigenen vier Wänden hätten. Wer jedoch seinen zwei, drei Jahren alten Fernseher noch ein paar Jahre länger nutzen will, findet gleichwertige oder günstigere Alternativen. Oder wartet noch ein wenig. Geht man nach den Vorgängern, dürfte der Konzern die Arc noch eine Weile im Programm haben.

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