Wildes Geschacher im „Die Höhle der Löwen“-Finale: Ein Start-up lehnte sämtliche Angebote der Investoren ab. Eine andere Gründerin bot mehr, als Ralf Dümmel haben wollte. Und ein Deal platzte nach der Show doch noch.
Neben den Gründertypen und Produktideen macht vor allem das Geschachere um den besten Deal den Reiz der „Höhle der Löwen“ aus. Im Finale der 13. Staffel kamen die Zuschauer dabei nochmal voll auf ihre Kosten – und konnten höchst unterschiedliche Verhandlungstaktiken bestaunen.
Die harte Variante demonstrieren die Gründer von Kruut, dem Kräuterelixier mit der „Kraft der heimischen Natur“. Ihre aus Brennessel, Melisse und anderen Wildkräutern bestehenden Säfte kommen bei den Investoren gut an. Und das Start-up hat auch schon beachtliche 1,5 Millionen Euro Umsatz vorzuweisen.
Trotzdem halten die Löwen das Angebot, für saftige 400.000 Euro zehn Prozent der Unternehmensanteile zu übernehmen, für deutlich zu teuer. Investorin Dagmar Wöhrl bietet die geforderte Summe für 20 Prozent der Anteile, Nils Glagau und Ralf Dümmel wollen für ihr gemeinsames Kombi-Angebot 24 Prozent haben. Woom-Gründer Interview 20.30
„Die Höhle der Löwen“: Kruut-Gründer lehnen Angebote ab
Die Gründer ziehen sich zur Beratung zurück – und kommen mit einer überraschenden Entscheidung zurück. Die Angebote sind ihnen nicht gut genug und einen Kompromissvorschlag wollen sie gar nicht erst unterbreiten. Entweder der Deal kommt zu ihren Bedingungen zustande oder gar nicht.
Selbst Dagmar Wöhrls letztes Sonderangebot von 15 Prozent lassen sie abblitzen und verlassen ohne Investment die Show. Die verschmähten Löwen bleiben fassungslos zurück. Wollten die etwa gar keinen Deal? Es gebe zwei Möglichkeiten, meint Carsten Maschmeyer. „Entweder die werden das bereuen oder die wollten nur die Werbung.“ 100 Folgen DHDL 16.23
Bildungsurlauber-Deal geplatzt
Munter verhandelt wird auch mit Lara Körber und Anian Schmitt, den Gründern der Plattform Bildungsurlauber. Das Portal vermittelt eine Vielzahl zertifizierter Kurse für Bildungsurlaub – von Sprachkursen bis Yoga auf Mallorca. Das Beste daran: Bildungsurlaub steht Arbeitnehmern in allen Bundesländern außer Bayern und Sachsen per Gesetz zu. „27 Millionen Angestellte in Deutschland haben Anspruch auf fünf Tage Extraurlaub pro Jahr. Und keiner weiß davon“, erklärt Schmitt.
Selbst von den Löwen kennen nicht alle den Rechtsanspruch und sind entsprechend baff. Vier Investoren wollen bei Bildungsurlauber einsteigen und nach einigem Verhandeln entscheiden sich die Gründer für einen Deal mit Janna Ensthaler und Carsten Maschmeyer. Die Zusammenarbeit kam im Nachgang der Sendung aber doch nicht zustande, wie der stern erfahren hat.
Grund sei, dass zum damaligen Zeitpunkt noch ein dritter Gründer mit in der Firma hing, erklärt Lara Körber auf Anfrage. „Wir standen nach der Show mit Janna Ensthaler, Carsten Maschmeyer und deren Teams in einem sehr wertschätzenden und engen Austausch. Es wurde sich dann gegen ein Investment entschieden aufgrund des zum damaligen Zeitpunkt noch nicht geregelten Exits des dritten Gründers. Wir sind aber im Guten auseinander gegangen.“ Das Start-up, das nach eigenen Angaben die größte Plattform für die Vermittlung von Bildungsurlaub ist, macht nun ohne Investor weiter. Die Firma beschäftige sieben Mitarbeiter und sei profitabel, sagt Gründerin Körber.
Kuriose Verhandlung mit Ralf Dümmel
Zustande gekommen sind hingegen die in der Sendung gezeigten Dümmel-Deals mit Zebra Ice und Sproutling. Bei Zebra Ice, das mittlerweile in Zebrastic umbenannt wurde, handelt es sich um Fruchtpüree, der ungekühlt verkauft wird und erst zu Hause im Eisfach zu Fruchteis heruntergekühlt wird.
Sproutling ist eine besonders atmungsaktive Baby-Matratze, die die Erstickungsgefahr für Babys im Schlaf minimieren soll. Die Verhandlungen mit Ralf Dümmel gestalten sich kurios. Erst will Sproutling-Gründerin Meltem Aktürk nur zehn Prozent ihrer Firmenanteile abgeben. Gefragt nach ihrer Schmerzgrenze nennt sie dann 30 Prozent, doch Dümmel hat sich schon auf 25 Prozent festgelegt und weicht davon fairerweise auch nicht mehr ab.
Eine interessante Idee hat das Start-up Hiddencontact im Gepäck. Die Firma vertreibt Sticker mit QR-Codes, die man sich als anonyme Kontaktmöglichkeit ans Auto kleben kann. Wenn nun irgendetwas mit dem geparkten Auto sein sollte, können Passanten den Code scannen und den Besitzer benachrichtigen. Auch weitere Anwendungsfälle sind denkbar, zum Beispiel als Sticker auf dem Reisekoffer. Gute Idee, finden die Löwen, tun sich aber schwer, sich ein funktionierendes Geschäftsmodell vorzustellen. Daher leider kein Deal.
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