Nicht nur am Weihnachtstag wird in Spanien ausgiebig getafelt. Zuvor wird leidenschaftlich Lotto gespielt. Und auf den Weihnachtsmärkten in Katalonien erregen kleine Figuren die Gemüter. Außerdem gibt es ein Rezept für ein typisch spanisches Weihnachtsgericht.
Eigentlich gehört die Begegnung mit einem der Weisen aus dem Morgenland zu den Pflichtterminen jedes spanischen Kindes. Am Vorabend des 6. Januars warten die Kleinen auf den Moment, einem der Heiligen drei Könige ihren Brief mit dem Wunschzettel persönlich zu überreichen können. Doch in diesem Jahr heißt es wegen der Corona-Pandemie eher Abstand halten. Grundsätzlich hat in Spanien der 6. Januar einen höheren Stellenwert als der Weihnachtsmann und der 24. Dezember. Erst an dem Termin zu Beginn des neuen Jahres werden die Geschenke verteilt.
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Schon im Dezember zieren in den Innenstädten blinkende Lichterketten die Straßenzüge und animieren zum Konsum. Beliebt sind Weihnachtsmärkte, die regionales Kunsthandwerk, süße Naschereien und Kohle verkaufen – allerdings keine zum Heizen, sondern solche aus schwarz gefärbtem Zucker. Diese erhalten nur jene Kinder, die das Jahr über nicht artig gewesen sind – eine ähnliche Geste wie bei uns die mit der Rute von Knecht Ruprecht.
Eine Kuriosität wechselt auf den Märkten in Barcelona die Besitzer. Neben den Krippenfiguren wie Ochs und Esel findet der „Caganer“, das Scheißerchen, reißenden Absatz. Die kleine Person aus bemaltem Ton mit heruntergelassenen Hosen und in eindeutiger Pose gehört zu Katalonien wie das Männeken Pis zu Brüssel. Ihre Bedeutung bleibt unklar, jedoch kommt die Figur mit dem Antlitz von Politikern, Fußballspielern oder Personen des öffentlichen Lebens daher, darunter auch Messi, Greta Thunberg, Charlie Chaplin oder Donald Trump.
© Robin Townsend
Hoffen auf das große Geld durch el Gordo
Den 22. Dezember haben sich die Spanier dick im Kalender markiert. Kurz vor dem Fest fiebert die Nation auf die Auslosung der „Lotería de Navidad“, der mehr als 200 Jahren alten Weihnachtslotterie. Gemessen an der Gesamtsumme von 2,4 Milliarden Euro (2020) gilt sie als die größte Lotterie der Welt. Der Hauptgewinn, genannt „El Gordo“ (der Dicke), beträgt vier Millionen Euro für ein ganzes Los. Meist bilden Dörfer, Firmen und Familien große Tippgemeinschaften, die sich dann den fetten Hauptgewinn teilen.
In fast ganz Spanien wird der „Día de Navidad“, der Weihnachtstag, mit einem Festmahl am Abend begangen. Zu den beliebtesten Gerichten gehören ein im Ofen gegarter Seehecht oder eine mit getrockneten Pflaumen oder Aprikosen gefüllte Ente. Statt der Weihnachtsbäume schmücken Krippen die Wohnungen.
Im Gegensatz zum übrigen Spanien bringt im Baskenland bereits am 24. Dezember der Olentzero die Geschenke, ein Köhler, der an Weihnachten durch die Dörfer und Städte zieht. Als einzige feiern nur die Katalanen erst einen Tag später: Im Nordosten Spaniens versammeln sich die Familien am 25. Dezember zum stundenlangen Mittagessen, das mit einer reichhaltigen Suppe aus Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchten beginnt. Das Festgelage zieht sich bis weit in den Abend hinein.
Nicht zu vergessen sind am Ende der Turrón, der typische Weihnachtsnachtisch aus Mandeln und Honig, der im ganzen Land genossen wird, und ein Glas mit prickelndem Cava. Am zweiten Weihnachtstag, der nur in Katalonien und auf den Balearen als Feiertag gilt, isst man Canelones – mit Fleischresten vom Vortag gefüllte Röllchen, die mit einer Bechamelsoße im Ofen gratiniert werden.
1. April im Dezember
Noch bevor am Dreikönigstag, am 6. Januar, die Geschenke ausgetauscht werden, schicken sich die Spanier in den April: am „Santos Inocentes“ am 28. Dezember. Da wird im Bekannten- und Kollegenkreis gescherzt, die Zeitungen bringen raffinierte Meldungen, die sich am nächsten Tag als Ente entpuppen.
Am Vorabend des 6. Januars, dem wichtigsten Weihnachtsfeiertag in Spanien, haben die Geschäfte bis Mitternacht geöffnet. In den Straßen herrscht dichtes Gedränge, in letzter Minute werden noch Gaben für die Lieben besorgt. Zur selben Zeit erreichen die Heiligen Drei Könige die Großstädte und kleinen Orte. Oft werden die Szenen mit Laienschauspielern nachgespielt.
In Barcelona pilgern die Familien am Nachmittag zum Hafen, wo ein Schiff mit einer besonderen Fracht anlandet; Die „Reyes Magos“ kommen an Land und erhalten von der Bürgermeisterin auf dem Balkon des Rathauses einen goldenen Generalschlüssel, mit dem sie in der Nacht die Tür jedes Hauses öffnen können. Doch die große Parade der Könige durch die Stadt fällt in diesem Jahr in Barcelona aus.
Doch zuvor zieht die Karawane durch die Stadt und wirft mit Kamellen um sich wie beim Karneval in Köln. Später ziehen Caspar, Melchior und Balthasar durch die Häuser und bringen mehr als nur Weihrauch und Myrrhe – auch die Geschenke auf dem Wunschzettel von der kleinen Eulàlia.
Rezept: Capón de Navidad
Für vier Portionen
1 Kapaun (kastriert und gemästeter Hahn)
200 g Backpflaumen ohne Kern
100 ml Sherry
1 kg Äpfel
80 g Schmalz
0,5 l Sekt
Saft einer Zitrone
100 g Sahne
200 g Champignon
2 Knoblauchzehen
Zunächst die Backpflaumen im Sherry ziehen lassen und abgießen. Den Hahn waschen, salzen, pfeffern und mit den Backpflaumen und den Spalten von zwei geschälten und geschnittenen Äpfeln füllen. Mit einem Faden die Öffnung zunähen und in einen Bräter legen. Das in einer Pfanne mit Knoblauch zerlassene Schmalz über den Vogel gießen, diesen im Ofen auf 220 Grad braten lassen und nach 20 Minuten die Haut des Kapauns mit dem Sekt übergießen und zwei Stunden im Ofen bei 180 Grad belassen. Die Spalten der restlichen Äpfel in Butter andünsten, mit dem wieder aufgefangenen Sherry abschrecken und weichkochen. Anschließend durch ein Sieb drücken und pürieren.
Den Hahn aus dem Ofen nehmen, aus dem Bratenfond zusammen mit der Sahne und etwas Butter die Soße in eine Pfanne herstellen, unter Rühren die kleingeschnitten Champignons dazugeben und wenige Minuten köcheln lassen – Feliz Navidad.
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