Wie kein Zweiter hat Loriot den deutschen Humor der Nachkriegszeit geprägt. Seine Sketche sind Allgemeingut geworden. Wir erinnern an drei seiner besten.
Es könnte doch so einfach sein: Das ältere Ehepaar will eigentlich nur ein neues Bett kaufen. Doch da fangen die Probleme schon an. „Haben Sie da an eine Schlaf-Sitz-Garnitur gedacht mit versenkbaren Rückenpolstern, eine Couch-Dreh-Kombination oder das klassische Horizontal-Ensemble?“, fragt der Verkäufer, der freundliche Herr Hallmackenreuther. Worauf der ältere Herr (Loriot) verwirrt erwidert: „Wir schlafen im Liegen.“ Aber damit lässt sich Herr Hallmackenreuther nicht ruhigstelllen: „Sie ruhen nebeneinander oder rechtwinklig?“
Auch das Probeliegen im Modell Allegro – „mit doppeltem Federkern mit Palmfaserauflage. Die Federmuffen sind einzeln aufgehängt und kreuzweise verspannt, also hüftfreundlich in der Seit- und Bauchlage“ – gestaltet sich als schwierig. Denn ein weiteres Paar drängt sich in die Betten. Schnell kommt es zum Streit der beiden Paare. Als der von Loriot gespielte Herr erfährt, dass die beiden Jüngeren gar nicht verheiratet sind, reagiert er entrüstet: „Ach, und wozu brauchen Sie dann ein Doppelbett?“
Schließlich schlafen die beiden Damen ein. Die Herren verlassen die Szene, nicht ohne dass Loriot Herrn Hallmackenreuther noch zuflüstert: „Wenn meine Gattin aufwacht, nimmt Sie gerne eine Tasse Tee mit etwas Gebäck.“
So einfach, so treffend kann man eine gewöhnliche Situation porträtieren, wie hier in Loriots Sketch „Der Bettenkauf“. Eine Szenekneipe in Köln ist sogar nach dem Bettenverkäufer „Hallmackenreuther“ benannt.
Streit über ein Ei
Ebenso alltäglich ist die Situation in dem Cartoon „Das Frühstücksei“. Ein Ehepaar sitzt am Frühstückstisch – und streitet über eine Banalität. Szenen wie diese ereignen sich in diesem Land millionenfach, jeden Tag aufs Neue. Loriot schafft es durch nur geringfügige Übertreibung und Zuspitzung, daraus einen Sketch zu machen, der sich seit Jahrzehnten großer Popularität erfreut.
Der Mann beschwert sich über ein zu hartes Ei. Die Frau beharrt darauf, nach ihrem Bauch zu kochen: „Ich habe es im Gefühl, wenn das Ei weich ist.“ Es ist aber nun mal hart. Die logische Schlussfolgerung des Mannes: „Vielleicht stimmt etwas mit deinem Gefühl nicht.“ Das hätte er lieber nicht sagen sollen. Ein Affront, den die Ehefrau nicht auf sich sitzen lassen kann: „Ich stehe den ganzen Tag in der Küche, mache die Wäsche, bringe deine Sachen in Ordnung, mache die Wohnung gemütlich, ärgere mich mit den Kindern rum, und du sagst, mit meinem Gefühl stimmt was nicht!“
Am Ende quatscht die Frau den Mann in Grund und Boden, der stammelt kleinlaut: „Ich hätte nur gern ein weiches Ei.“ „Gott, was sind Männer primitiv“, wirft ihm die Frau entgegen. Damit ist das letzte Wort in dieser Auseinandersetzung gesprochen. Dem Mann bleibt nur noch die Flucht in seine kühnsten Träume: „Ich bringe sie um. Morgen bringe ich sie um.“ Selten ist der tägliche Geschlechterkampf lustiger dargestellt worden.
Wenn Opa ein Geschenk kauft
Den Wahnsinn einer Weihnachtsfeier mit drei Generationen fängt Loriot in seinem Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ein. Zunächst sehen wir, wie Opa Hoppenstedt (gespielt von Loriot) seinem Enkel Dicki ein Geschenk kauft. Oder besser: es versucht. Denn schon die einfachste Kommunikation schlägt hier fehl. Die Verkäuferin will eigentlich nur wissen, ob das Geschenk für einen Jungen oder Mädchen sein soll.
Wie heißt denn das Kleine?
Hoppenstedt, wir heißen alle Hoppenstedt.
Und mit Vornamen?
Dicki, Dicki Hoppenstedt.
Und es ist ein Mädchen.
Ne.
Also ein Junge.
Nee, nee, nee.
Wie ist es denn angezogen?
Hosen, blaue Hosen.
Vielleicht haben Sie es mal ohne Hosen gesehen.
Sagen Sie mal, was für ein Laden ist das denn hier eigentlich?
Ich hatte den Herrn nur gefragt, ob sein Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist. Wenn Ihr Enkelkind ein Zipfelchen hat …
Zipfelchen?
Mein Gott, dann hat es eben kein Zipfelchen.
Mein Enkelkind hat alles, was es braucht. Gesunde Eltern, ein anständiges Zuhause und Zucht und Ordnung.
Schließlich bekommt der Opa doch noch sein Geschenk: „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“. Wer hätte bei den Worten auch widerstehen können, mit denen die Verkäuferin das Spiel anpreist? „Wenn man einen Fehler macht, gibt es auch eine kleine Explosion. Es macht puff, und die Kühe fallen um und die kleinen Häuser und Bäume. Da ist dann immer ein großes Hallo.“
„Früher war mehr Lametta“
Es gab wohl niemanden, der sich nicht in einer der Szenen wiederfinden konnte. Und bei manchen Sprüchen weiß man gar nicht mehr, ob sie Loriot in die Welt gesetzt hat, oder ob sie nicht schon immer da waren – und sie der Künstler einfach aufgeschnappt hat.
Sprüche wie „Früher war mehr Lametta“ sind in den allgemeinen Sprachschatz übergegangen, da weiß man schon gar nicht mehr, woher er ursprünglich stammt. Das zeichnet große Kunst aus. So wie heute viele von Mozart komponierte Melodien Allgemeingut geworden sind, gilt das auch für Loriots Schöpfungen. Seine Leistung ist weit größer, als die Deutschen nach dem Krieg zum Lachen gebracht zu haben. Loriots Werk lebt weiter. Daran ändert auch sein Tod nichts.
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