Gesichtsrekonstruktion: Eitel wie ein Influencer – Renaissance-Meister Raffael verschönerte sich auf Selbstporträt

Ein bisschen hübscher als in Wirklichkeit – dieser Versuchung konnte auch der große Maler Raffael nicht widerstehen. Eine Rekonstruktion seines Schädels zeigt, dass er sich auf der Leinwand ein kleineres Näschen spendiert hat.

Raffael wurde der „Göttliche“ genannt, weil er stets nach Perfektion strebte. Und das offenbar auch bei seinem berühmten Selbstporträt, das gewissermaßen eine Ideal-Version seiner selbst war. Wissenschaftler in Rom haben das Gesicht des Meisters rekonstruiert, als Grundlage dienten ihnen der Gipsabguss seines Schädels, der schon 1833 gefunden wurde. Das dreidimensionale Modell zeigt aber einige Differenzen zu den Bildnissen. Raffael hat den Pinsel so benutzt wie Influencer heute Apps, die sie schlanker und jünger machen, als sie wirklich sind.

Das fällt vor allem bei der Nase auf. Die Rekonstruktion zeigt einen energischen und eindrucksvollen Vorbau, im Porträt hat sich der Maler ein kokett gebogenes Näschen spendiert. Genie schützt offenbar nicht vor Eitelkeit.PAID STERN Die Päpste Teil 1 17.08

Bestätigung des Fundes

„Unser 3-D-Modell zeigt, dass die Augen und der Mund der Porträts zu ihm gehören, aber er bei seiner Nase war er sehr gütig zu sich selbst“, sagte Professor Mattia Falconi, von der Universität Tor Vergata. „Wir wissen, dass Raffael sich oft jünger malte, als er war. Unser Modell erlaubt es uns, ihn so zu sehen, wie er wirklich war.“

Raffael starb 1520 im Alter von 37 Jahren in Rom, wahrscheinlich an einer Lungenentzündung, und wurde dort im Pantheon begraben. Sein berühmtes Selbstbildnis wurde 15 Jahre vor seinem Tod vollendet. Es hängt normalerweise in der Uffizien-Galerie in Florenz, befindet sich aber derzeit in Rom zu einer Ausstellung anlässlich seines 500. Todestages.

Zu ähnlich für einen Fremden

Im Jahr 1833 exhumierten Arbeiter mehrere Knochen aus einer Krypta des alten Tempels. Es wurde vermutet, dass Raffaels Gebeine unter ihnen waren, und bevor die Überreste wieder eingegraben wurden, wurde ein Gipsabdruck seines Schädels angefertigt. Da jedoch mehrere Künstlerstudenten und Lehrlinge seiner Schule in seiner Nähe begraben wurden, haben Forscher lange bezweifelt, dass der Schädel tatsächlich Raffael gehörte.

Falconi nimmt nun dafür eine etwa 85-prozentige Wahrscheinlichkeit an, da der Schädel trotz der Abweichungen große Ähnlichkeiten mit den gemalten Gesichtern des Künstlers aufweist. „Es keinen Zweifel am Ergebnis“, sagte Falconi. „Es sieht nicht so aus, als wären die Studenten, die wir kennen, dort begraben, und es wäre ein zu großer Zufall, wenn ein Fremder so ähnlich aussehen würde.“WISSEN Gift Tofana,

Zustand vor dem Tode

Die Rekonstruktion zeigt allerdings, wie der Maler kurz vor seinem Tod 1520 ausgesehen hat. Raphael malte das berühmte Porträt schon 1507, als er gerade 23 Jahre alt war. Olga Rickards, eine Kollegin Falconi, hofft, dass die Überreste erneut exhumiert werden. So etwas war bereits geplant, das Vorhaben wurde wegen der Corona-Epidemie verschoben. „Unsere Forschung liefert zum ersten Mal konkrete Beweise dafür, dass das Skelett, das 1833 aus dem Pantheon exhumiert wurde, Raffael gehörte“, sagte Rickards „und sie öffnet den Weg für mögliche zukünftige molekulare Studien zur Bestätigung seiner Identität.“ Denn DNA-Analysen konnte man mit dem Gipsabdruck nicht machen.

Quelle:Guardian, Archaeolgy 

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